Gesang der Geister über den Wassern

 Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,

Und wieder nieder
Zur Erde muß es,
Ewig wechselnd.

Strömt von der hohen,
Steilen Felswand

Der reine Strahl,
Dann stäubt er lieblich
In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,
Und leicht empfangen

Wallt er verschleyernd,
Leisrauschend,
Zur Tiefe nieder.

     Ragen Klippen
Dem Sturze entgegen,

Schäumt er unmuthig
Stufenweise
Zum Abgrund.

     Im flachen Bette
Schleicht er das Wiesenthal hin,

Und in dem glatten See
Weiden ihr Antlitz
Alle Gestirne.

     Wind ist der Welle
Lieblicher Buhler;

Wind mischt vom Grund aus
Schäumende Wogen.

     Seele des Menschen,
Wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,

Wie gleichst du dem Wind!
Год написания:
1789 год
67
Нет комментариев. Ваш будет первым!

Другие стихи